Ihr habt meinen Sohn getötet, weil er nicht von hier ist. – Harouna Barry
Zusammenfassung
- Der Prozess beginnt in Anwesenheit der Familie Barry, vielen solidarischen Unterstützer*innen und Presse. Nur wenig Öffentlichkeit darf aber in den Gerichtssaal.
- Die Familie wird vom Gericht nicht begrüßt oder willkommen geheißen. Wie die Dolmetschung stattfinden soll, ist unklar.
- Die Anklageschrift wird verlesen. Nur eine bestimmte Art der Fesselung wird angeklagt. Die Todesfolge ist nicht mitangeklagt.
- Nach dem Prozesstag findet eine kraftvolle Kundgebung in der Duisburger Innenstadt statt.
Prozessbeginn
Der Prozess beginnt. Schon ab 8 Uhr morgens sind die Familie Barry, solidarische Unterstützer*innen, Pressevertreter*innen und Polizeiangehörige anwesend. Vor dem Gericht haben sich Unterstützer*innen der Barrys bei einer Mahnwache versammelt. Auch Sidy Dramé, der Bruder von Mouhamed Lamine Dramé, ist gekommen.
Bei Einlass werden Körperkontrollen durchgeführt. Polizist*innen dürfen ohne Kontrolle eintreten und stehen so weiter vorne in der Schlange vor dem Saal.
Die Stimmung ist angespannt.
Bis vor Beginn ist nicht ganz klar, ob das Gericht eine*n Dolmetscher*in für die Familie Barry organisiert hat. Der Dolmetscher kommt und kurz danach dürfen auch wir in den Saal. Für die Öffentlichkeit gibt es heute nur 18 Plätze im Saal. Ein großer Teil muss draußen bleiben. Mit 9 Angeklagten und 14 Verteidiger*innen ist es im Saal extrem voll und unübersichtlich.
Das Gericht tritt um 9:35 Uhr ein. “So, Hallo nochmal zusammen.” Die vorsitzende Richterin Dr. Frick stellt in munterem Ton, teils lachend, die Anwesenheit der Beteiligten fest und nimmt die Personalien der Angeklagten auf:
Thomas W., Hanna W., Julius W., Sophie S., Ümügülsüm S., Kevin K., Michael K., Robert B. und Johanna Melina H.
Die Staatsanwaltschaft erhebt sich und verliest die Anklageschrift.
Die folgende Darstellung der Ereignisse am 06.01.2024 ist allein die Perspektive der Staatsanwaltschaft. Ob es sich tatsächlich so abgespielt hat, ist nicht geklärt.
Die Darstellung von Ibrahima in der Anklageschrift ist entmenschlichend und kehrt Täter und Opfer um. Wer das nicht lesen möchte, kann ab Seite 10 weiterlesen.
Darstellung Staatsanwaltschaft
Der Tatvorwurf ist gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung im Amt. Die Staatsanwältin beschreibt, was am Tatabend aus Sicht der Ermittlungsbehörde passiert sein soll: Der Sicherheitsdienst der Geflüchtetenunterkunft, in der Ibrahima Barry lebte, habe die Polizei gerufen weil er “aggressiv” gewesen sei und “randaliert” habe. 6 Minuten später seien die Polizeibeamt*innen Julius W., Sophie S. und Johanna H. in Ibrahimas Zimmer gewesen. Unter Vorhalt des Tasers hätten sie ihn aufgefordert sich hinzulegen. Dem sei er nachgekommen.
Als sie Ibrahima hätten fesseln wollen, habe er sich gewehrt und sei geflohen. Julius W. sei ihm hinterhergeeilt und habe mit dem Taser auf Ibrahima geschossen. Das soll “keine Wirkung” entfaltet haben. Ibrahima soll auf einen Sicherheitsbeamten zugerannt sein und gerufen haben “Ich bring dich um.” Anschließend habe Ibrahima seitlich an der Wand gehockt, wo ihn Julius W. eingeholt und erneut den Taser eingesetzt habe. Ibrahima habe sich gewehrt. Zwei Polizeibeamt*innen seien gebissen worden.
Sechs weitere Polizist*innen seien dazugekommen und hätten Ibrahima in Bauchlage fixiert und an Händen und Füßen gefesselt. Dies sei “durch Notwehr gerechtfertigt” gewesen. Anschließend hätten sie die Fußfesseln mit den Handfesseln mit Kabelbinder verbunden. Aus der Ausbildung sei den Beamten bekannt gewesen, dass eine solche Fesselung lebensgefährlich sein könne. Die Verbindung der Fesselung sei unverhältnismäßig und rechtswidrig gewesen.
Um 20:57 Uhr seien Rettungssanitäter*innen eingetroffen. Zu diesem Zeitpunkt habe Ibrahima noch gelebt. “Kurz danach” hätte kein Puls mehr festgestellt werden können. Die Fesselung sei daraufhin gelöst worden, um Reanimationsmaßnahmen einzuleiten. Ibrahima sei, laut Anklageschrift, um 21:48 Uhr im Krankenhaus gestorben.
Todesursache sei ein Lagebedingter Erstickungstod, begünstigt durch Kokaineinfluss, eine Lungenerkrankung und einen “akuten Erregungszustand”, gewesen. Der Tod sei – so die Staatsanwaltschaft – auch ohne die Verbindung der beiden Fesselungen eingetreten.
Die Staatsanwältin beendet die Verlesung der Anklageschrift und setzt sich wieder.
Dolmetschung
Die Angeklagten lassen über ihre Verteidiger*innen verkünden, dass sie sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zum Tatvorwurf äußern werden.
Kurz vor Ende der Verhandlung fragt einer der Verteidiger, wo denn das nächste Mal der Zeuge sitzen solle. Der Saal sei ja sehr voll. Richterin Frick stimmt zu. Das Gericht hätte sich das so gedacht, dass der Dolmetscher der Familie Barry das nächste Mal woanders sitzen solle und die Dolmetschung allein über den Funk laufe.
Nebenklagevertreterin Grüter widerspricht. Es müsse die Möglichkeit für die Angehörigen bestehen, Rückfragen zu stellen. Einer der Verteidiger meldet sich zu Wort. Er sagt, das Dolmetschen störe “extrem”. Es sei anstrengend der Richterin zuzuhören und gleichzeitig einen Dolmetscher in einer anderen Sprache zu hören. “Egal welche Sprache.” Richterin Frick sagt, sie kenne das. Der Dolmetscher solle zukünftig woanders sitzen. Bei Gesprächsbedarf solle man sich melden, dann könne man Pausen machen.
Nebenklagevertreterin Dahlmann-Ludwig meldet sich zu Wort und besteht weiter darauf, dass sie sich mit der Familie Barry besprechen können müsse. “Das funktioniert nicht für uns.” Sie schlägt vor den Dolmetscher ans Kopfende zu setzen. Richterin Frick sagt, man schaue sich das an. Um circa 10 Uhr wird der Prozesstag für heute beendet.
Kundgebung
Am Nachmittag des Prozessauftakts fand in der Duisburger Innenstadt eine Kundgebung statt. Mitreißende Redebeiträge unter anderem von Mamadou, dem Bruder von Oury Jalloh, und der Black Community Coalition for Justice and Self-Defense waren zu hören. Auch Vater, Mutter und Schwester von Ibrahima ergriffen das Mikrofon. Ihr Frust, ihre Trauer und ihre Wut war deutlich spürbar. “Ihr habt meinen Sohn getötet, weil er nicht von hier ist”, klagte Harouna Barry, der Vater von Ibrahima, an.
Trotz der Hitze blieben viele Menschen stehen, hörten interessiert und berührt zu, kamen mit mitfühlenden Worten und tröstenden Gesten auf die Familie zu. “Mein Bruder war alles für mich”, sagte Dardaye Barry, “Möge er in Frieden ruhen.”
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jour du procès 1: 24 juin 2026
Vous avez tué mon fils parce qu’il n’était pas d’ici.- Harouna Barry
Résumé
- Le procès s’ouvre en présence de la famille Barry, de nombreux sympathisants venus manifester leur solidarité et de la presse. Seul un nombre restreint de membres du public est toutefois autorisé à entrer dans la salle d’audience.
- La famille n’est ni saluée ni accueillie par le tribunal. Les modalités de l’interprétation restent floues.
- L’acte d’accusation est lu. Seul un type particulier de contention fait l’objet de l’accusation. Le décès n’est pas inclus dans l’accusation.
- À l’issue de cette journée d’audience, un rassemblement de grande ampleur a lieu dans le centre-ville de Duisbourg.
Début du procès
Le procès commence. Dès 8 heures du matin, la famille Barry, des sympathisants, des représentants de la presse et des membres des forces de l’ordre sont présents. Devant le tribunal, des sympathisants des Barry se sont rassemblés pour une veillée de solidarité. Sidy Dramé, le frère de Mouhamed Lamine Dramé, est également venu.
Des fouilles corporelles sont effectuées à l’entrée. Les policiers sont autorisés à entrer sans contrôle et se placent ainsi plus en avant dans la file d’attente devant la salle d’audience.
L’ambiance est tendue.
Jusqu’au début de l’audience, on ne sait pas très bien si le tribunal a prévu un interprète pour la famille Barry. L’interprète arrive et, peu après, nous sommes également autorisés à entrer dans la salle. Seules 18 places sont réservées au public dans la salle aujourd’hui. Une grande partie des personnes doit rester à l’extérieur. Avec 9 accusés et 14 avocats de la défense, la salle est extrêmement bondée et il est difficile d’y voir clair.
Le tribunal se réunit à 9 h 35. « Bon, bonjour à tous à nouveau. » La présidente du tribunal, Mme Frick, constate d’un ton enjoué, parfois en riant, la présence des parties et enregistre l’identité des accusés: Thomas W., Hanna W., Julius W., Sophie S., Ümügülsüm S., Kevin K., Michael K., Robert B. et Johanna Melina H.
Le procureur se lève et lit l’acte d’accusation.
La description suivante des événements du 6 janvier 2024 reflète uniquement le point de vue du procureur. Il n’est pas établi si les faits se sont réellement déroulés de cette manière.
La description d’Ibrahima dans l’acte d’accusation est déshumanisante et inverse les rôles entre l’auteur et la victime. Si vous ne souhaitez pas lire ce passage, vous pouvez continuer à partir de la page 10.
Description du parquet
Le chef d’accusation est celui de coups et blessures graves commis en groupe dans l’exercice de fonctions officielles. La procureure décrit ce qui se serait passé le soir des faits du point de vue des autorités chargées de l’enquête : Le service de sécurité du centre d’hébergement pour réfugiés où vivait Ibrahima Barry aurait appelé la police parce qu’il se serait montré « agressif » et aurait « semé le désordre ». Six minutes plus tard, les agent·e·s de police Julius W., Sophie S. et Johanna H. se seraient trouvés dans la chambre d’Ibrahima. En le menaçant avec un Taser, ils lui auraient ordonné de s’allonger. Il aurait obéi.
Alors qu’ils voulaient menotter Ibrahima, celui-ci se serait débattu et aurait pris la fuite. Julius W. se serait précipité à sa poursuite et aurait tiré avec le Taser sur Ibrahima. Cela n’aurait eu « aucun effet ». Ibrahima se serait précipité vers un agent de sécurité en criant « Je vais te tuer ». Ibrahima se serait ensuite accroupi contre le mur, où Julius W. l’aurait rattrapé et aurait de nouveau utilisé le Taser. Ibrahima aurait résisté. Deux agents de police auraient été mordus.
Six autres policiers seraient intervenus et auraient immobilisé Ibrahima, allongé sur le ventre, avant de lui menotter les mains et les pieds. Cette intervention aurait été « justifiée par la légitime défense ». Ils auraient ensuite relié les menottes des pieds à celles des mains à l’aide de colliers de serrage. Les agents savaient, de par leur formation, qu’un tel moyen de contention pouvait mettre la vie en danger. Cette liaison entre les menottes et les entraves aux pieds aurait été disproportionnée et illégale.
À 20 h 57, les ambulanciers seraient arrivés. À ce moment-là, Ibrahima était encore en vie. « Peu après », aucun pouls n’aurait pu être détecté. Les menottes auraient alors été retirées afin de procéder à une réanimation. Selon l’acte d’accusation, Ibrahima serait décédé à l’hôpital à 21 h 48.
La cause du décès aurait été une asphyxie positionnelle, favorisée par l’influence de la cocaïne, une maladie pulmonaire et un « état d’excitation aigu ». Selon le parquet, le décès serait survenu même sans la combinaison des deux menottes.
La procureure termine la lecture de l’acte d’accusation et se rassied.
Interprétation
Les accusés font savoir, par l’intermédiaire de leurs avocats, qu’ils ne s’exprimeront pas pour l’instant sur les faits qui leur sont reprochés.
Peu avant la fin de l’audience, l’un des avocats demande où le témoin devra s’asseoir la prochaine fois. La salle est en effet bondée. La juge Frick approuve. Le tribunal avait prévu que l’interprète de la famille Barry s’assoie ailleurs la prochaine fois et que l’interprétation se fasse uniquement par radio.
La représentante de la partie civile, Mme Grüter, s’y oppose. Les proches doivent avoir la possibilité de poser des questions. L’un des avocats de la défense demande la parole. Il affirme que l’interprétation est « extrêmement » gênante. Il est épuisant d’écouter la juge tout en entendant un interprète dans une autre langue. « Quelle que soit la langue. » La juge Frick répond qu’elle comprend cela. À l’avenir, l’interprète devrait s’asseoir ailleurs. Si des échanges s’avèrent nécessaires, il faudra le signaler, et des pauses pourront alors être prévues.
La représentante de la partie civile, Mme Dahlmann-Ludwig, prend la parole et insiste à nouveau pour pouvoir s’entretenir avec la famille Barry. « Cela ne fonctionne pas pour nous. » Elle propose de placer l’interprète à l’extrémité de la table. La juge Frick répond qu’on va examiner cette possibilité. Vers 10 heures, l’audience est levée pour aujourd’hui.
Manifestation
L’après-midi du premier jour du procès, une manifestation a eu lieu dans le centre-ville de Duisbourg. Des discours passionnés ont été prononcés, notamment par Mamadou, le frère d’Oury Jalloh, et par la Black Community Coalition for Justice and Self-Defense. Le père, la mère et la sœur d’Ibrahima ont également pris la parole. Leur frustration, leur chagrin et leur colère étaient clairement palpables. « Vous avez tué mon fils parce qu’il n’était pas d’ici », a dénoncé Harouna Barry, le père d’Ibrahima.
Malgré la chaleur, de nombreuses personnes se sont arrêtées pour écouter avec intérêt et émotion, s’approchant de la famille avec des mots de compassion et des gestes réconfortants. « Mon frère était tout pour moi », a déclaré Dardaye Barry, « Qu’il repose en paix. »